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Hautkrankheiten bei Diabetes

Wissenschaftliche Unterstützung: Prof. Dr. Rüdiger Landgraf

Krankhafte Veränderungen der Haut kommen bei bis zu 80 Prozent aller Menschen mit Diabetes vor. Menschen mit Typ-2-Diabetes sind häufiger betroffen als Menschen mit Typ-1-Diabetes.

Es gibt sehr unterschiedliche Hautkrankheiten, die mit Diabetes in Verbindung stehen können. Nicht selten sind auch die mit der Haut zusammenhängenden Gewebe wie Sehnen, Bindegewebe, Gelenke und Unterhautfettgewebe betroffen.

Eine wesentliche Ursache von Hautkrankheiten bei Diabetes sind langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel. Durch eine Einstellung der Blutzuckerwerte in einen normnahen Bereich lassen sich die Hauterscheinungen verhindern, das Fortschreiten verlangsamen oder verbessern.



1. Was löst Hautkrankheiten bei Diabetes aus?

Ausgelöst werden Hautkrankheiten meist durch eine dauerhafte starke Überzuckerung des Körpers, durch antidiabetische Medikamente, zum Beispiel Insuline, oder durch weitere Begleitmedikamente.In vielen Fällen sind die genauen Ursachen nicht bekannt. Es hat sich gezeigt, dass bei Menschen mit deutlich zu hohen Blutzuckerwerten häufiger und schwerere Hautveränderungen auftreten als bei Menschen mit einem günstigeren Stoffwechselprofil.

Durch eine langfristig gute Blutzuckereinstellung und frühes Erkennen können Hauterkrankungen reduziert, die Entwicklung abgeschwächt oder ganz verhindert werden. Menschen mit Diabetes sollten deshalb täglich ihre Haut untersuchen und pflegen. Treten Hautveränderungen auf, sollten sie darüber frühzeitig und regelmäßig mit ihrem Diabetes-Team sprechen.


2. Was erhöht das Risiko für Hautkrankheiten?

Der Hauptgrund für Veränderungen der Haut sind zu hohe Blutzuckerwerte. Durch den erhöhten Blutzucker werden unterschiedliche Prozesse im Körper angestoßen, die die körpereigene Immunantwort auf infektionsauslösende Bakterien, Viren und Pilze ändern und zu komplexen Störungen in den Haut-, Bindegewebs- und Fettzellen in und unter der Haut führen. Auch hohe Blutfett- und zu hohe Harnsäurewerte lassen das Risiko für Hautveränderungen ansteigen.

Gut zu wissen:

Hohe Blutzuckerwerte sind das größte Risiko für Hautkrankheiten. Beispielsweise wirken sich überhöhte Blutzuckerwerte ungünstig auf die Funktion der sogenannten Keratinozyten und Fibroblasten aus. Keratinozyten sind Zellen in der Oberhaut, die Keratin herstellen. Keratin wirkt wasserabweisend und verleiht der Haut Schutz, Elastizität und Stabilität. Fibroblasten sind Zellen des Bindegewebes, die ebenfalls für Widerstandsfähigkeit und Elastizität sorgen. Wenn die Funktionen dieser Zellen und damit die Barrierefunktion der Haut gestört sind, finden auch Erreger (Bakterien, Viren, Pilze) leichter Eintrittspforten und können eine Infektion verursachen.


3. Wodurch entstehen Hautkrankheiten bei Diabetes?

Die Hautkrankheiten, die mit Diabetes einhergehen können, sind vielfältig, und der Entstehungsmechanismus ist oft nur ansatzweise bekannt. Menschen mit Typ-2-Diabetes entwickeln häufiger Hautinfektionen, während Menschen mit Typ-1-Diabetes öfter autoimmunbedingte Veränderungen aufweisen.

Eine zentrale Rolle bei Hautkrankheiten bei Diabetes spielt die sogenannte „Verzuckerung“ von Eiweißen, Fetten und Nukleinsäuren. Auf Letzteren befindet sich unsere Erbinformation. Eine fortgeschrittene Verzuckerung dieser Moleküle kann die Struktur und Funktion der Haut verändern und zur Entstehung von Schäden an den Blutgefäßen beitragen. Gefäßerkrankungen und Nervenfunktionsstörungen (periphere und autonome Polyneuropathie) zusammen mit einer diabetesbedingten Schwächung des Immunsystems machen die betroffenen Personen auch für Infektionen und eine schlechte Wundheilung anfällig. Die bei Typ-2-Diabetes beobachteten zu hohen Insulinspiegel im Blut (Hyperinsulinämie) aufgrund einer Insulinresistenz beeinflussen zudem die Vermehrung und Reifung der Keratinozyten. Das beeinträchtigt zusätzlich die Barrierefunktion der Haut und verzögert die Wundheilung. Umgekehrt kann sich aber auch ein relativer oder absoluter Insulinmangel – meist einhergehend mit langfristig deutlich zu hohen Blutzuckerspiegeln (ablesbar zum Beispiel an hohen HbA1c-Werten) – störend auf die Wundheilung auswirken.


4. Wie kann Hautkrankheiten bei Diabetes vorgebeugt werden?

Eine gute Blutzuckereinstellung ist das A und O, um Hautkrankheiten vorzubeugen. Auch ein langfristig gutes Management der Blutfette, der Harnsäure und anderer Risikofaktoren verhindert, dass Komplikationen auch an der Haut und den damit zusammenhängenden Geweben entstehen oder fortschreiten.

Gut zu wissen:

Je früher Hautveränderungen erkannt und behandelt werden, desto besser sind die Chancen der Verbesserung oder sogar Rückbildung.

Um Hautkrankheiten vorzubeugen, helfen folgende Maßnahmen:

  • Versuchen Sie Ihren Blutzucker im individuell festgelegten Zielbereich zu halten.
  • Halten Sie die Haut sauber und entfetten Sie nicht Ihre Haut durch zu häufiges Waschen mit Seife.
  • Versorgen Sie die Haut mit viel Feuchtigkeit, zum Beispiel mit einer normalen Hautlotion und/oder mit harnstoffhaltigen (Urea-) Cremes und Salben. Vermeiden Sie zu heiße Bäder und Duschen.
  • Achten Sie gut auf Ihre Füße und überprüfen Sie sie jeden Tag auf Wunden. Vermeiden Sie Lotionen, Cremes oder Salben – außer bei Pilzinfektionen im Zwischenzehen- und Nagelbereich – zwischen den Zehen aufzutragen. Die zusätzliche Feuchtigkeit dort kann das Wachstum von Pilzen fördern.

 

Wenden Sie sich an Ihr Diabetes-Team, wenn Sie eines der folgenden Symptome bemerken:

  • Auffällige Veränderungen der Haut
  • Ständiger Juckreiz
  • Starke Hornhautbildung an den Füßen
  • Wunden (auch kleine!) und schlechte Wundheilung
  • Schwellung oder Reizung an der Stelle, wo die Insulininjektion vorgenommen wurde
  • Verletzungen an der Haut
  • Auffälligkeiten an Händen und Füßen (zum Beispiel Gelenksteifigkeit, schnellende Finger, Schmerzen bei Bewegung der Hände oder Füße, Verhärtungen im Handflächenbereich)

5. Hautveränderungen im Rahmen der Diabetes-Therapie

Alle Medikamente, auch die, die zur Diabetes-Therapie eingesetzt werden, können allergische Reaktionen auslösen. Mögliche Anzeichen sind Rötungen der Haut, Quaddelbildung und Juckreiz. Auch ein großflächigerer Hautausschlag ist möglich. In den meisten Fällen lösen Medikamente allerdings eher schwache, von der Patientin oder dem Patienten selten berichtete Reaktionen aus.

 

Metformin

Das Diabetes-Medikament Metformin kann – wenn auch selten – einerseits schwere allergische Hautreaktionen auslösen, wird andererseits aber auch zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt. Studien zeigen besonders positive Effekte von Metformin bei Akne und Acanthosis nigricans, bei der sich die Haut grau-braun (Hyperpigmentierung) verfärbt.

 

Sulfonylharnstoffe

Werden Sulfonylharnstoffe eingenommen, kann es nach Alkoholkonsum oder Sonneneinstrahlung zu einer starken Rötung der Haut und trockenen, juckenden Stellen kommen. Fachleute nennen dies auch „phototoxische Reaktionen“. Grund sind Inhaltsstoffe der Sulfonylharnstoffe, die Alkohol und Sonne nicht gut vertragen. Meist bilden sich diese nach etwa einer Stunde von selbst zurück.

 

Insuline

Die oben beschriebenen Hautveränderungen werden auch bei dem Einsatz von Insulin beschrieben. Bei den jetzt – in Deutschland ausschließlich – verfügbaren hochgereinigten Humaninsulinen und Insulinanaloga sowie den verbesserten Verabreichungs (Applikations)-systemen (Pens und Pumpen) sind diese Nebenwirkungen der Insuline selten geworden. Dennoch kann sich im Bereich der Einstichstellen das Unterhautfettgewebe verändern. Bei häufiger und wiederholter Injektion von Insulin in ein sehr begrenztes Hautareal kann es sowohl zu einer eher seltenen lokalen Verminderung (Lipoatrophie) als auch zu einer Vermehrung des Unterhautfettgewebes (Lipodystrophie) kommen. Die Prozesse, die zu diesen Veränderungen führen, sind bisher noch nicht vollständig bekannt. Man beugt ihnen am besten vor, indem die Einstichstelle bei jeder Injektion in einer gewissen Systematik gewechselt wird. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr zur richtigen Insulininjektion. Unter anderem kann dort eine Informationsgrafik zu Insulin-Spritzstellen heruntergeladen werden.

Auch der Insulin-Zufuhrkatheter, dessen Spitze im Unterhautfettgewebe platziert wird, kann im Rahmen einer Insulinpumpentherapie zu erheblichen Reizungen der Haut bis zum Abszess führen. Deshalb sollten Menschen mit Insulinpumpe den Katheter regelmäßig und unter sterilen Bedingungen wechseln.

Hier erfahren Sie mehr zur Insulintherapie.

 

Kontinuierliche Gewebezuckermessung (CGM)

Auch im Rahmen der Blutzuckerkontrolle mittels kontinuierlicher Gewebezuckermessung (CGM) tretenmanchmal Hautveränderungen auf. In den meisten Fällen handelt es sich um Hautirritationen, die entstehen, wenn der Klebemechanismus, der das Monitoring-System fixiert, längere Zeit (meist mehr als eine Woche) getragen wird. Als Folge rötet sich die Haut, juckt und wird leichter verletzlich. Eine weitere Ursache für die Hautveränderungen können Bestandteile der Messsysteme sein, wie zum Beispiel bestimmte Klebstoffe (Acrylate), die bei einigen Menschen zu einer juckenden Hautentzündung führen.


6. Hautinfektionen bei Diabetes

Infektionen der Haut kommen bei Menschen mit Diabetes sehr häufig vor und stehen in direktem Zusammenhang mit dauerhaft hohen Blutzuckerwerten. Hautinfektionen können beispielsweise durch Bakterien und Pilze ausgelöst werden.

Bekannte Infektionen durch Bakterien sind unter anderem:

  • Wundrose (Erysipel): Hier zeigen sich scharf abgegrenzte, rote Stellen der Haut, welche sich rasch ausbreiten. Sie können mit geschwollenen Lymphknoten, Fieber, Schüttelfrost und Abgeschlagenheit einhergehen. Die Eintrittspforte der Bakterien sind oft kleine Wunden. Bei schwereren Verlaufsformen können auch Blasen entstehen und Teile der Haut absterben (Nekrosenbildung).
     
  • Zwergflechte (Erythrasma): Meist in Hautfalten oder Bereichen mit starker Schweißbildung (Achseln, Leisten-, Genital- und Analgegend, unter der weiblichen Brust) entstehen scharf abgegrenzte, schuppige Stellen, die sich rot-braun verfärben. Nur selten treten bei Menschen mit einer Zwergflechte Juckreiz oder andere Beschwerden auf. Bei großer Ausbreitung kann es zu weiteren Infektionen der Haut kommen.

 

Bekannte Infektionen durch Pilze sind unter anderem:

  • Candida-Infektionen: Durch den Hefepilz Candida albicans ausgelöste Veränderungen der Haut, die sich häufig im Mund, in Hautfalten, an Haarwurzeln oder im Genitalbereich bei Männern und Frauen zeigen. Diese können jucken, nässen und brennen. Menschen mit Diabetes leiden häufiger auch unter Rötungen und schmerzhaften Schwellungen der Nagelfalz (Candida-Paronychie).
     
  • Tinea (Dermatophytose, Mattenbrand): Durch Fadenpilze ausgelöste Infektionen der Haut, Haare und Nägel. Häufig tritt die Erkrankung bei Diabetes am Fuß und in den Zehenzwischenräumen auf. Dort sind offene Stellen mit weißlichen Rändern zu erkennen. Sind die Nägel betroffen, spricht man vom Nagelpilz, welcher den Nagel verfärbt und allmählich zerstört (Onychomykose).

7. Diabetesbegleitende Hautkrankheiten

Wenn auch der Diabetes selbst keine Ursache für die folgenden Hautkrankheiten darstellt, so kommen doch einige Erkrankungen häufig bei Diabetes vor:

 

Pseudoacanthosis nigricans

Dies bezeichnet eine Gruppe verschiedener Erkrankungsformen, die unscharf begrenzte, grau-bräunliche und samtartige Stellen auf der Haut aufweisen. Die Entstehung ist unklar. Zu Beginn ist meist die Nackenregion betroffen, später auch Achselhöhlen, Gelenkbeugen oder die Leistenregion. Nur wenige Menschen mit Diabetes empfinden subjektive Beschwerden aufgrund dieser Hautveränderungen. Häufig besteht bei den betroffenen Personen eine Insulinresistenz.

 

Sklerodermie bei Diabetes

Der Begriff beschreibt eine Vielzahl von Veränderungen des Bindegewebes der Haut und den darunterliegenden Strukturen. Sie entstehen unter anderem durch die „Verzuckerung“ von Eiweißen (Bildung von sogenannten „Advanced Glycosilation End“ (AGE)-Produkten) in der Haut und den darunterliegenden Strukturen (Bindegewebe, Sehnen, Gelenke). In der Folge ändert sich die Anordnung und Quervernetzung der Kollagenfasern. Dies führt zu einer verminderten Elastizität der Haut und der Gelenke (sogenannte „Limited Joint Mobility“ (LJM)). Es kann so zu wesentlichen, zum Teil schmerzhaften, vielfältigen Funktionsstörungen beispielsweise von Hand, Fuß und Schulter kommen:

Hände:

  • Verdickung des Bindegewebes und der Sehnen der Hohlhand (Dupuytren-Kontraktur)
  • Finger- und Gelenkversteifungen (Cheiroarthropathie oder Stiff-Hand-Syndrom)
  • Schnellende Finger
  • Entstehung des Karpaltunnelsyndroms, bei dem der Medianus-Nerv am Handgelenk eingeklemmt wird. Weil dieser Nerv die Hand nicht mehr versorgen kann, kommt es zu motorischen und sensiblen Störungen von Daumen, Zeige- und Mittelfinger.

Man findet diese Veränderungen auch bei Lebererkrankungen, Rauchenden mit gleichzeitigem Alkoholkonsum und Menschen mit Niereninsuffizienz mit und ohne Diabetes. Im Vergleich mit Frauen sind Männer 5- bis 10-mal häufiger betroffen.

Füße: Störungen der Beweglichkeit im Sprunggelenk und den Zehengelenken mit der Gefahr von Fehlbelastungen und Verletzungen im Sinne einer sogenannten Plantarfibromatose (Morbus Ledderhose). Diese geht mit Knoten und Verhärtungen an der Fußsohle einher.

Schultern: Erhebliche, schmerzhafte Einschränkung der Schultergelenke („Frozen Shoulder“)

 

Gelbknoten (Xanthome)

Durch eine den Diabetes begleitende Fettstoffwechselstörung kann es zu diesen knotenartigen Fettablagerungen in der Haut kommen. Diese sind orange-gelblich schimmernd und an sich harmlos.

 

Juckreiz

Etwa ein Drittel aller Menschen mit Diabetes leiden unter trockener und juckender Haut. Gründe dafür sind Störungen der Schweißdrüsen- und Talgdrüsenfunktion. Kratzen führt meistens zu einem noch größeren Juckreiz. Kratzwunden können sich leicht durch Krankheitserreger infizieren.

 

Necrobiosis Lipoidica

Die Hautveränderungen sind oft ringförmig, rötlich oder braun verfärbt. Die Haut kann großflächig zerstört werden, wodurch es zusätzlich zu einer Infektion kommen kann. Die für die Necrobiosis lipoidica typischen Veränderungen der Haut treten am häufigsten am Schienbein (in 85 Prozent der Fälle) auf, gelegentlich auch am Oberschenkel, ganz selten an Armen, Oberkörper oder im Gesicht. Die Necrobiosis lipoidica kommt 3-mal häufiger bei Frauen vor als bei Männern.

Der Verlauf ist langsam und zu Beginn zeigen sich intensiv rote, linsengroße Papeln. Mit der Zeit können aus ihnen etwas eingesunkene, scheibenförmige, gelbe, verhärtete (sklerotische) Herde, die von sichtbaren Blutgefäßen (Teleangiektasien) durchzogen werden, entstehen. Im Verlauf von Monaten bis Jahren können die Herde sich zu Handtellergröße auswachsen und braun-gelb verfärben, während die betroffene Haut immer dünner wird. Dadurch können sich im schlimmsten Fall offene Wunden und schlecht heilende Geschwüre bilden. Die Ursache der komplexen Hautveränderungen ist unklar.

 

Pigmentstörungen

Vor allem an den Unterschenkeln kommen schmerzlose, scharf abgegrenzte Flecken vor, die sich rötlich bis braun einfärben können. Die genaue Ursache dafür ist unklar. Fachleute vermuten, dass veränderte und verletzte, kleinste Blutgefäße dafür verantwortlich sind.

 

Weißfleckenkrankheit (Vitiligo)

Meist zwischen dem 10. und 30. Lebensjahr kommt es durch Depigmentierung zu scharf begrenzten, weißen Flecken auf der Haut. Form, Größe und Anzahl kann sich stark unterscheiden. Diese Hautveränderungen finden sich häufig bei Autoimmunerkrankungen wie zum Beispiel Typ-1-Diabetes.


8. Hautveränderungen durch diabetische Folgeerkrankungen

Beim Diabetischen Fußsyndrom kommt es häufig zu Hautschädigungen an den Füßen. Ursachen für diese schwerwiegenden und gefährlichen Veränderungen sind Nervenfunktionsstörungen (periphere sensomotorische Polyneuropathien meist in Kombination mit Störungen des vegetativen Nervensystems) und Durchblutungsstörungen der Füße und Beine (periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK)). Durch die Nervenfunktionsstörungen und fehlendes Wissen der Patientinnen und Patienten werden sehr oft krankhafte Veränderungen an den Füßen nicht wahrgenommen, verharmlost oder schamhaft verschwiegen. Menschen mit Hautschädigungen an den Füßen sollten sich dringend ärztlichen Rat einholen. Es handelt sich immer um einen Notfall, da sich die Wunden innerhalb weniger Stunden massiv entzünden können und im schlimmsten Fall die Gefahr einer Amputation droht.

Hier erfahren Sie mehr über das Diabetische Fußsyndrom.


9. Wie werden Hautkrankheiten behandelt?

Diabetische Hauterkrankungen kommen in vielfältiger Form vor. Die Zusammenhänge zwischen Diabetes und Hauterkrankungen sind vielen betroffenen Personen und teilweise auch dem Diabetes-Team weitgehend unbekannt. Eine regelmäßige Untersuchung der Haut – täglich von der Patientin oder dem Patienten und regelmäßig von der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem behandelnden Arzt – ist daher sehr wichtig, um rechtzeitig eine adäquate Therapie einzuleiten. Häufig helfen langfristig eine

  • normnahe Stoffwechseleinstellung (HbA1c-Werte: 6,5 bis 7,5 Prozent (47,5 bis 58,5 mmol/mol)),
  • eine konsequente Wundbehandlung und
  • eine kausale Therapie wie zum Beispiel der Tausch eines Medikaments, um Hautveränderungen entgegenzuwirken.

 

Hauttrockenheit kommt häufig bei Diabetes vor und kann durch Hautpflegemittel und das Vermeiden heißer Bäder oder Duschen verbessert werden. Mit der Trockenheit geht meist ein starker Juckreiz einher. Hier helfen Ölbäder, harnstoffhaltige Salben oder Cremes und nicht selten die Hilfe von Hautspezialisten (Dermatologinnen und Dermatologen).

Bei schwerwiegenderen Erkrankungen, wie beispielsweise einer Pilzinfektion, kommen Antipilzmittel zum Einsatz, welche die Ärztin oder der Arzt verschreibt. Wichtig ist, die betroffenen Bereiche gut zu reinigen und zu pflegen. An diesen Stellen getragene Kleidung sollte täglich gewechselt und möglichst bei 60 Grad Celsius gewaschen werden.

Auch Infektionen durch Bakterien, wie beispielsweise die Wundrose, sind sehr ernst zu nehmende Erkrankungen und müssen ärztlich behandelt werden. Aufgrund der Schwere sind häufig frühzeitig Antibiotika einzusetzen.

Bei älteren Menschen mit Diabetes, deren Gelenkbeweglichkeit deutlich eingeschränkt ist und die nicht selten Sehstörungen (Retinopathie, Makulopathie, grauer Star) haben, sollte das enge soziale Umfeld mit in die Beurteilung der Hautveränderungen und deren Behandlung eingebunden werden.

Bei Hautentzündungen durch bestimmte Klebstoffe (Acrylate) in Messsystemen zur kontinuierlichen Gewebezuckermessung (CGM) werden in schweren Fällen Kortisoncremes oder -salben angewendet, um die Hautveränderungen zu behandeln. Zudem kann der Wechsel zu einem hautfreundlicheren CGM-System mit acrylatfreiem Pflaster erwogen werden.

Quellen:

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Stand: 18.04.2023